Hitzeschutz in den Kommunen des Ruhrgebiets
Hitzeaktionspläne, kühle Orte, Trinkwasser und Entsiegelung: Welche Instrumente die neun Ruhr-Körperschaften nach der Juni-Hitzewelle 2026 haben — und was davon beschlossen ist.
Mit KI-Unterstützung erstellt: Recherche, Datenauswertung und Textentwurf von einem KI-Assistenten, Redaktion und Freigabe von Wolf Witte. Verbindlich sind die verlinkten Originaldokumente.
Ende Juni 2026 wurde es im Ruhrgebiet über Tage sehr heiß. Das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima Nordrhein-Westfalen meldete elf aufeinanderfolgende Heiße Tage mit einem Höhepunkt am 26. Juni, als rheinische Stationen bis zu 40 °C erreichten (LANUK Klimaatlas NRW). Das Robert-Koch-Institut schätzte für diese Hitzeperiode rund 5.100 hitzebedingte Sterbefälle bundesweit, mehr als vier Fünftel davon bei Menschen über 75 (RKI, 09.07.2026). Die Stadt Bochum rief am 24. Juni Hitzewarnstufe 2 aus.
In den Ratsinformationssystemen der neun an transparent.ruhr angebundenen Ruhr-Körperschaften lässt sich nachlesen, mit welchen Mitteln die Kommunen dem Thema begegnen: welche Instrumente vorliegen, was beschlossen ist und was noch beraten wird. Ein Ranking gibt das nicht her, denn jede Kommune entscheidet für sich, und was Essen beschließt, gilt in Bochum nicht. Wohl aber zeigt der Blick über die Stadtgrenze, was anderswo anders gehandhabt wird.
Übersicht: Wer welche Instrumente hat
Stand 06.08.2026, zusammengetragen aus den Ratsinformationssystemen der neun Körperschaften. ✅ beschlossen · 🔄 in Arbeit · 📄 beantragt oder berichtet, nicht beschlossen · — kein Vorgang auffindbar.
| Körperschaft | Klimaanpassungskonzept | Hitzeaktionsplan | Kühle-Orte-Karte | Trinkwasser öffentlich | Entsiegelung |
|---|---|---|---|---|---|
| Bochum | 📄 eca-Aktivitätenprogramm | ✅ Mai 2026 | ✅ digital | ✅ mobile Spender + Blue Cloud | ✅ Kataster |
| Essen | ✅ 29.11.2023 | 🔄 HAP.Regio | ✅ 24.06.2024 | ✅ 17.05.2023 | 📄 |
| Hamm | ✅ 23.03.2021 | ✅ 24.03.2026 | ✅ vorhanden | 📄 Pilotgerät | — |
| Gladbeck | ✅ 11.09.2025 | ✅ im Konzept | 📄 geplant | ✅ Brunnen + Refill | 📄 im Konzept |
| Moers | 🔄 Klimaschutzkonzept | 📄 Verzicht 02/2023 | — | ✅ 04.05.2023 | 📄 |
| Neukirchen-Vluyn | ✅ 17.12.2025 | ⊘ im Konzept enthalten | 📄 | ✅ seit 2023 | 📄 Prüfauftrag |
| Hamminkeln | 🔄 bis 2028 | — | — | — | ✅ KfW-gefördert |
| Sprockhövel | 🔄 Entwurf 11/2026 | ✅ 12.12.2024 | — | ✅ vorhanden | 📄 im InHK |
| RVR | ✅ Handlungsprogramm | — (nicht zuständig) | 🔄 Stadtklimaanalysen | — | 📄 strategisch |
Die Dichte der Überlieferung ist dabei ungleich: Zu Bochum gibt das Ratsinformationssystem mit Abstand am meisten her. Die Länge der folgenden Abschnitte folgt dieser Aktenlage, nicht einer Rangfolge.
Wann die neun Körperschaften ihre Instrumente beschlossen haben. Hamm entschied fünf Jahre vor allen anderen; die übrigen Beschlüsse fallen zwischen 2023 und 2026 — nahezu sämtlich vor der Hitzewelle, die den Anlass für dieses Dossier gab.
- Klimaanpassungskonzept
- Hitzeaktionsplan
- Einzelmaßnahme
- abgelehnt oder Verzicht
- in Arbeit
Bochum
Bochum hat im Mai 2026 einen Hitzeaktionsplan mit durchnummerierten Maßnahmen und Zeitzielen beschlossen. Nach der Hitzewelle prüfte eine Anfrage der Ratsgruppe STADTGESTALTER/Volt, was von diesen Zielen umgesetzt ist (20261927): ob das für Mai vorgesehene Hitzetelefon eingerichtet wurde, ob die Broschüre „Keine Chance der Hitze” gedruckt und verteilt ist, wie oft der Hitzebus 2026 fuhr. Der Ausschuss beschloss am 14. Juli, die Anfrage schriftlich zu beantworten; eine Antwort liegt sechs Wochen später nicht vor.
Kühle Orte und Trinkwasser. Die Stadt führt eine digitale Kühle-Orte-Karte, deren Ausbau die Grünen anfragen (20261724): mehr Kirchen, Bibliotheken, Wasserspielplätze und Apotheken. Beim Trinkwasser gibt es mobile Wasserspender der Stadtwerke mit einer Sprühnebel-Funktion sowie die Blue Cloud am Husemannplatz; deren Betrieb und Standorte sind Gegenstand mehrerer Anfragen, unter anderem der SPD in der Bezirksvertretung Nord nach festen Spendern im Stadtbezirk (20261772).
Schulhöfe: ein Beschluss von 2022. Am 22. März 2022 beschloss der Ausschuss für Schule und Bildung, dass Schulhöfe nach Baumaßnahmen entsiegelt, begrünt und mit Laubbäumen verschattet werden (20220790, einstimmig bei einer Enthaltung). Am 16. Juli 2026 lagen dem Rat dazu zwei Vorlagen vor: ein Antrag für ein Realisierungskonzept mit Flächenliste und Kostenschätzung (20261844) und ein Änderungsantrag, der stattdessen die Umsetzung des Beschlusses von 2022 samt jährlichem Bericht verlangt (20261953). Entschieden hat der Rat über keinen von beiden: Beide wurden zur Vorberatung an den Fachausschuss überwiesen.
Was die Antworten sagen. Von den Anfragen des Juli sind zwei inzwischen beantwortet, beide angesetzt für den Betriebsausschuss am 3. September und die Oktobersitzungen. Die Antwort auf die Anfrage der CDU-Fraktion zu Schulen, Kitas und OGS enthält den Kernsatz: „Ein eigenständiges gesamtstädtisches Hitzeschutzkonzept ausschließlich für Schulen, Kindertagesstätten oder OGS-Einrichtungen besteht derzeit nicht.” Sommerlicher Wärmeschutz werde bei Sanierungen und Neubauten mitberücksichtigt, der beschlossene Hitzeaktionsplan decke die gesamtstädtische Ebene ab, und Überlegungen zu einem übergreifenden Konzept befänden sich „derzeit in einem frühen Entwicklungsstadium”.
Bemerkenswerter ist, was dieselbe Antwort über die Datenlage sagt: „Eine flächendeckende Erfassung oder kontinuierliche Temperaturmessung sämtlicher Schul-, Kita- und OGS-Gebäude erfolgt derzeit nicht. Ebenso liegt keine gesamtstädtische Übersicht besonders hitzebelasteter Gebäude vor.” Erkenntnisse ergäben sich aus Einzelfallmeldungen der Einrichtungen.
Konkret wird es beim Geld. Ein Sachstandsbericht zum Hitzeschutz an Schulen nennt einen Rahmenvertrag über 1,2 Millionen Euro, über den Unterrichtsräume sukzessive mit Sonnen- und Verdunklungsvorhängen ausgestattet werden, einschließlich Wartung und Reinigung. Die Verwaltung hält die Wirkung selbst fest im Rahmen: Vorhänge könnten „nur einen Teil der Wärmeeinstrahlung zurückhalten”, da die Strahlung zuerst auf die Verglasung treffe, und bei länger andauernden Hitzeperioden heize sich das Gebäude über Tage auf. Für die nächste Ausschreibung soll geprüft werden, ob Vorhänge mit rückseitiger Aluminiumbeschichtung ergänzt werden; sie reflektieren stärker, sind aber empfindlicher in der Reinigung und teurer im Lebenszyklus.
Die übrigen Anfragen des Juli tragen alle denselben Beschluss: „Die Anfrage wird schriftlich beantwortet.” Das gilt für die Frage nach den Sterbefällen der Juni-Hitzewelle, nach den kühlen Orten, nach dem Schutz in Alten- und Pflegeheimen, nach Hitze-Risikogebieten und nach dem Wasserverbrauch in Trockenperioden. Antworten dazu liegen nicht vor.
Schwammstadt und Begrünung. Das Schwammstadt-Prinzip, Niederschlag zurückhalten und versickern statt ableiten, ist in Bochum in der Bauplanung breit angekommen. Das Tiefbauamt stellte es 2023 vor (20230784); der Bezug taucht 2026 in laufenden Bauvorlagen auf, etwa im Abwasserbeseitigungskonzept 2027 (20261211). Zum verbindlichen Regelwerk gibt es eine dokumentierte Vorgeschichte: Ein Ratsantrag von 2022 für eine Begrünungssatzung (20222503) wurde durch einen Ersetzungsantrag von Grünen und SPD in einen Prüfauftrag umgewandelt (20222971). Das Prüfergebnis lag 2024 vor (20241027): Steinschüttungen in Vorgärten sind seither in allen neuen Bebauungsplänen unzulässig. Eine daraus entstandene Dachbegrünungssatzung (20241036) durchlief die Bezirksvertretungen und Ausschüsse, wurde von der Verwaltung aber vor der Schlussabstimmung im Rat am 10. Oktober 2024 zurückgezogen; ein Nachfolgevorgang ist nicht auffindbar.
Essen
Essen beschloss am 29. November 2023 ein Integriertes Klimafolgenanpassungskonzept mit einem Maßnahmenvolumen von 3,3 Millionen Euro. Beim Trinkwasser fasste der Rat der Stadt Essen am 17. Mai 2023 einen einstimmigen Beschluss zur Errichtung öffentlicher Trinkwasserbrunnen und benannte zehn Standorte in allen neun Stadtbezirken. Grundlage war die Novelle des Wasserhaushaltsgesetzes vom 12. Januar 2023, die Kommunen bundesweit verpflichtet, ein Angebot an öffentlichen Trinkwasserbrunnen zu schaffen. Eine digitale Kühle-Orte-Karte gibt es seit dem 24. Juni 2024, umgesetzt von Umwelt- und Vermessungsamt, mit der Möglichkeit für Bürger, Orte nachzumelden. Ein eigener Hitzeaktionsplan entsteht gemeinsam mit fünfzehn weiteren Kommunen unter Federführung der Emschergenossenschaft (HAP.Regio), gefördert bis Anfang 2027 mit rund 1,4 Millionen Euro.
Im August 2026 wandten sich zwei Bürgerinnen und Bürger mit einer Eingabe nach § 24 der Gemeindeordnung an die Bezirksvertretung III und beklagten die Hitzebelastung in Holsterhausen und Frohnhausen (1365/2026/BV III). Das Umweltamt gab eine Stellungnahme ab und band das Amt für Straßen und Verkehr ein, weil es um den Umbau eines Platzes geht. Die Bezirksvertretung entscheidet am 2. September; vorgeschlagen ist die Kenntnisnahme, womit die Eingabe erledigt wäre. Sie könnte stattdessen einen ergänzenden Beschluss fassen oder die Sache mit einer Empfehlung an den Rat überweisen.
Hamm
Hamm beschloss seinen Hitzeaktionsplan am 24. März 2026, mit 53 Ja- zu 10 Gegenstimmen. Die Beschlussformel lautet „wird zustimmend zur Kenntnis genommen”. Der Plan weist die Entwicklung der Heißen Tage aus, von rund vier pro Jahr im Mittel der Jahre 1951 bis 1980 auf rund neun in den Jahren 1991 bis 2020, mit neunzehn im Jahr 2022. Eine Bürgerbefragung im Herbst 2024 ergab, dass sich 87 Prozent der Befragten durch Hitze belastet fühlen. Der Plan enthält eine Vulnerabilitätsanalyse nach Stadtbezirken, die den Stadtbezirk Mitte mit einem Gesamtscore von 79 Prozent als am stärksten betroffen ausweist, vor Bockum-Hövel mit 50 und Uentrop mit 47 Prozent. Das zugrunde liegende Klimafolgenanpassungskonzept beschloss der Rat bereits am 23. März 2021, mit 55 zu 3 Stimmen und unter dem Vorbehalt verfügbarer Haushaltsmittel. Im Juli 2025 trat Hamm als eine der ersten Lippekommunen der Zukunftsinitiative Klima.Werk der Emschergenossenschaft bei.
Gladbeck
Gladbeck beschloss sein Klimafolgenanpassungskonzept am 11. September 2025 einstimmig, gefördert zu 95 Prozent aus einem Bundesprogramm. Ein Hitzeaktionsplan ist Bestandteil des Konzepts; Kern ist eine Kommunikationskaskade, die Hitzewarnungen an vulnerable Gruppen weitergibt. Umgesetzt sind laut Konzept unter anderem Trinkwasserbrunnen und Refill-Stationen; geplant sind ein Entsiegelungskataster, ein Förderprogramm für die Entsiegelung privater Flächen und eine interaktive Karte kühler Orte. Als Hotspot weist die Klimaanalyse Innenstadt und Gewerbegebiete aus.
Wie Klimaanpassung an einer ohnehin anstehenden Baumaßnahme mitfahren kann, zeigt ein Planungskonzept für den Betrachtungsraum Brauck West (26/0383), über das der Ausschuss für Stadtplanung, Verkehr und Bauen am 3. September entscheidet. Ausgangspunkt ist die notwendige Erneuerung des Kanalnetzes. Die Tiefbauarbeiten der nächsten zehn bis fünfzehn Jahre sollen zugleich die Widerstandskraft des Quartiers gegen Überflutungen und Hitzeperioden erhöhen, das Wohnumfeld aufwerten und die Verkehrsführung ändern. Das eröffnet außerdem den Zugriff auf das Förderprogramm „Klimaresiliente Region mit internationaler Strahlkraft“.
Moers
In Moers beantragte der Beirat für ältere Menschen im März 2022 einen Hitzeaktionsplan (17/919). Der Rat entschied am 15. Februar 2023 einstimmig, auf einen separaten Plan zu verzichten und stattdessen weitere präventive Hitzeschutzmaßnahmen zu prüfen; eine isolierte Betrachtung sei entbehrlich, ein zusätzlicher Plan personell nicht zu leisten. Trinkwasserbrunnen beschloss der Rat im Mai 2023 einstimmig, gestützt wie in Essen auf die Novelle des Wasserhaushaltsgesetzes. Ein Schwammstadt-Beschluss vom November 2023 macht Versickerung zum Regelfall. An einem integrierten Klimaschutzkonzept, das die Klimaanpassung als eines von sieben Handlungsfeldern führt, arbeitet die Stadt; über den Ratsbeschluss vom 8. Juli 2026 lag zum Datenstand kein Ergebnis vor.
Neukirchen-Vluyn
Der Rat beschloss am 17. Dezember 2025 einstimmig ein Integriertes Klimaanpassungskonzept, erstellt mit 90 Prozent Förderung und dreißig Maßnahmen in drei Handlungsfeldern. Auf einen eigenständigen Hitzeaktionsplan verzichtet die Stadt bewusst; die Vorlage begründet das damit, dass sich die wesentlichen Bestandteile bereits in den Maßnahmenvorschlägen des Konzepts wiederfänden, das Hitze, Starkregen und Trockenheit zusammen behandelt. Zu Protokoll gab die CDU, jede Einzelmaßnahme sei vor Umsetzung gesondert zu beschließen. Trinkwasserbrunnen gibt es seit 2023 an zwei Standorten, zwei weitere sind geplant.
Hamminkeln
Hamminkeln steht am Anfang: Die Stelle für das Klimafolgenanpassungsmanagement ist seit dem 1. April 2026 besetzt, auf zwei Jahre befristet und zu 80 Prozent gefördert; bis März 2028 soll ein Konzept mit einem Umsetzungsfahrplan für zehn bis fünfzehn Jahre entstehen. Für die Entsiegelung kommunaler Flächen hat die Stadt eine Förderzusage über 864.000 Euro aus dem KfW-Programm „Natürlicher Klimaschutz in Kommunen”, 80 Prozent von 1,08 Millionen Euro förderfähiger Kosten; die Vorlage nennt Versickerungsmulde, Tiny Forest und den Abbruch einer Kläranlage als Maßnahmen und begründet sie mit Abkühlung und Stadtklima (2026/0104, im Ausschuss für Umwelt und Planung am 6. Mai 2026 zur Kenntnis genommen, Förderzusage liegt vor).
Sprockhövel
Der Rat von Sprockhövel beschloss am 12. Dezember 2024 einen Hitzeschutzplan, mit 34 Ja-Stimmen bei 3 Enthaltungen. Der Beschluss benennt fünf Bestandteile: Risikoanalyse, Frühwarnsysteme, kühlende öffentliche Orte und Trinkwasserstationen, Kommunikation und Koordination. Auf eine Anfrage der Grünen berichtete die Verwaltung am 2. Juli 2026, umgesetzt seien Flyer und Poster an Freibad, Servicebüro, Kitas und Seniorenbüro, ein Trinkbrunnen und der nach Schwammstadt-Prinzip umgestaltete Rathausvorplatz; der Schwerpunkt liege derzeit auf der Datenerhebung im Rahmen des Klimaanpassungskonzepts, dessen Entwurf für November 2026 angekündigt ist und das das Handlungsfeld menschliche Gesundheit einschließe.
RVR
Der Regionalverband Ruhr beschloss am 27. September 2024 ein Regionales Handlungsprogramm Klimaanpassung, im Rahmen der im Haushalt festgelegten Budgets. Auf den Wunsch nach konkreteren Handlungsvorgaben antwortete die Verwaltung, die Verantwortlichkeit liege zu einem großen Teil bei den Kommunen und Kreisen; der Verband fülle eine unterstützende und ermöglichende Rolle als Dienstleister aus. Der RVR liefert Stadtklimaanalysen im Auftrag einzelner Städte, ein Gründachkataster und Modelldaten zur Ermittlung thermischer Hotspots. Einen eigenen regionalen Hitzeaktionsplan gibt es nicht.
Die Landesebene: eine Konzeptpflicht mit Stichtag
Auf alle NRW-Kommunen kommt eine gemeinsame Vorgabe zu. Das Landesumweltministerium hat einen Entwurf zur Änderung des Klimaanpassungsgesetzes eingebracht; eine begleitende Verordnung soll Kommunen ohne Klimaanpassungskonzept verpflichten, bis zum 30. November 2029 eines zu erstellen und vom Rat beschließen zu lassen. Vorgesehen ist ein Belastungsausgleich von 55.000 Euro Sockelbetrag plus zehn Cent je Einwohner. Kommunen, die ihr Konzept bereits über die DAS-Bundesförderung erstellt haben, sind von der Pflicht ausgenommen und erhalten keinen Ausgleich. In den Ratsunterlagen der neun Körperschaften taucht die Novelle bislang nur in Neukirchen-Vluyn auf (gesucht wurde in den Vorlagentiteln); ob andernorts schlicht keine Befassung nötig ist, weil die Konzepte längst vorliegen, geben die Titel allein nicht her.
Der Versiegelungsdatensatz in Bochum
Hinter der Entsiegelungs-Spalte der Übersicht steckt in Bochum ein bemerkenswerter Datensatz, an dem sich zugleich die Grenzen offener Verwaltungsdaten zeigen. Die Stadt führt ein Versiegelungs- und Entsiegelungspotenzialkataster: 2021 erstmals erstellt, angestoßen durch eine Anfrage der Linksfraktion, Ende 2024 als in Betrieb bestätigt (20242792). Die Daten sind flächenscharf und öffentlich unter freier Lizenz abrufbar (CC BY 4.0) über das Geoportal Ruhr; die Verwaltung hielt 2022 fest, damit Daten anzubieten, die bisher keine vergleichbare Kommune so bereitstelle (20220607).
Angekündigt war eine jährliche Fortschreibung. Eine Abfrage des Kartendienstes am 30. Juli 2026 zeigt jedoch, dass alle 383.069 Flächen weiterhin unter der Version „2022.1.1” geführt werden; eine spätere Berechnung ist in der Ratsdokumentation nicht auffindbar. Zur entsiegelten Fläche legte die Stadt Ende 2024 eine Aufstellung vor: rund 212.600 Quadratmeter seit 2020, davon gut drei Viertel auf dem ehemaligen Opel-Gelände Mark 51°7, wo unter der Bodenschicht eine Dichtungsbahn liegt und Versickerung ausgeschlossen ist. Wie viel Fläche im selben Zeitraum neu versiegelt wurde, ist in diesen Vorlagen nicht ausgewiesen. Ein Ratsantrag „Flächenverbrauch-Stopp bis 2030” (20231069), der unter anderem verlangte, die Versiegelungswirkung künftig in jeder Beschlussvorlage auszuweisen, wurde am 4. Mai 2023 abgelehnt. Ausführlich behandelt das inzwischen ein eigenes Dossier: Bochums Versiegelungskarte: ein Instrument, vier Jahre alt.
Hinweise
- Datenstand 06.08.2026, am 27.08.2026 über alle neun Körperschaften auf Nachzügler geprüft. Die Beratungsergebnisse der Bochumer Ratssitzung vom 16.07.2026 lagen zunächst nicht vor und sind inzwischen eingearbeitet.
- Bei Sprockhövel, Neukirchen-Vluyn, Hamm und Gladbeck ist das Ergebnisfeld der Tagesordnungspunkte im OParl-Bestand unbrauchbar; die genannten Abstimmungsergebnisse stammen aus den Ergebnisprotokollen.
- Anlagen werden für Essen, Hamminkeln, Neukirchen-Vluyn und Sprockhövel nicht importiert; wo der Inhalt eines Antrags nur als Anlage vorliegt, ist das vermerkt.
- Worms ist keine Ruhrgebietskommune und in diesem Dossier nicht berücksichtigt.
- Web-Quellen: DWD, Deutschlandwetter im Juni 2026 · LANUK, Rekordwärme Juni 2026 · RKI, Hitzemortalität 09.07.2026 · Land NRW zur KlAnG-Novelle